COVID-19 und der Start in den Museumsalltag

Im März 2020 kam der Lockdown. Für einen nach seinem Studium ins Arbeitsleben startenden Menschen bedeutete diese Entscheidung, dass eine ohnehin schwierige Etappe ungleich komplizierter wurde. Denn seien wir mal ehrlich: Auf die wenigsten Bewerbungen bekommt man eine Rückmeldung, und selten eine qualifizierte Absage. Und der Lockdown, Homeoffice, die Schließung von Kultureinrichtungen und mehr haben diesen Umstand nicht verbessert. Stellenausschreibungen wurden verschoben, versprochene Rückmeldungen zogen sich hin wie Kaugummi und persönliche Bewerbungsgespräche waren bis Mai nahezu unmöglich.

In Mönchengladbach konnte ich dann doch noch vorstellig werden und das Städtische Museum Schloss Rheydt entschied sich mich als neuen Wissenschaftlichen Volontär einzustellen. Yey! Dachte ich bis dato das Bewerbungsverfahren sei ein Spießrutenlauf gewesen, hatte ich die Schwierigkeit unterschätzt zu Corona-Zeiten eine Wohnung zu bekommen. Und das ganze innerhalb von 5 Wochen.

Arkadenhof, Schloss Rheydt

Von den gefühlt 50 angeschriebenen Wohnungseignern, darunter Immobilienhaie, Genossenschaften und Eigenheimpensionäre, erhielt ich ganze 6 Rückmeldungen zur Wohnungsbesichtigung, drei hielten ihre Zusage zu einem Treffen dann auch ein. Wohnung Nummer Eins im Herzen von Eicken ist es dann geworden.

Der eigentliche Start ins Volontariat war angenehm und gestaltete sich ganz problemlos. Meine Kollegen von der Museumsverwaltung haben sich umgeben von alten Schlossmauern, Wällen, Festungswerk und Wassergraben tapfer gegen das Homeoffice gestemmt und unter Einhaltung der allgemeinen Hygienerichtlinien auch durch den Lockdown hindurch einen funktionierenden Bürobetrieb aufrecht halten können. Ich trat also einem eingespielten Team bei. Die obligatorischen Führungen und ein Feuerwerk an Informationen und Eindrücken erhielt ich dann bereits am ersten Tag. Und am dritten Tag löste ich die Alarmanlage auf dem Schlossgelände aus – es folgte direkt ein Crash-Kurs in Sicherheitstechnik.

Torburg, Schloss Rheydt

Auch ich fragte mich zu Beginn oft, Covid-19 hin, Covid-19 her: Was ist das Volontariat, wie sollte es sein und was kann es? Die Antwort habe ich mich für schnell im Arbeitsalltag und in den „Grundsätze für die Beschäftigung von wissenschaftlichen Kräften als Volontäre/Volontärinnen an Museen“ gefunden: „Ziel des Volontariats ist es, zu selbständiger Tätigkeit im höheren Dienst an Museen zu befähigen.“ Jeder Historiker/in, Kunstwissenschaftler/in, Volkskundler/in oder Museologe/in hat eigene Schwerpunkte, Interessen und spätere Berufswünsche. Zu diesem Zeitpunkt in unserem Leben und Karriere sollten wir diese kennen und das zweijährige Volontariat als die einmalige Chance begreifen uns auf diese Arbeitsbereiche praktisch vorzubereiten, aber auch in anderen Betätigungsfeldern zu schnuppern. Die spätere Selbstständigkeit sollte sich daher schon in der persönlichen Herangehensweise und im Mindset im Volontariat zeigen.

Eine gute Institution, aus meiner Sicht, benennt zu Beginn klare Projekte, die man als Volontierender im Laufe seiner Zeit zu absolvieren hat. In meinem Fall ist es das selbständige Kuratieren einer Sonderausstellung in Kooperation mit einem weiteren Museum, das Kuratieren einer Ausstellung zum 100-jährigen Bestehen unseres Hauses und die inhaltliche wie planerische Mitarbeit an der Umgestaltung der Dauerausstellung.

Vorburg, Schloss Rheydt

Bedingt durch meine bisherige Berufserfahrung und meine Interessen konnte ich aber auch ganz klar Aufgabenbereiche identifizieren, die bisher aus meiner Sicht noch nicht konsequent angegangen waren, darunter die Öffnung der Sammlung nach außen, sprich Digitalisierung, der Auftritt in den sozialen Medien und anderes. Für diese Bereiche habe ich ein Konzept und eine Strategie erstellt und sie liegen zurzeit in meiner Verantwortung. Ziel ist es selbstverständlich, dass die Arbeitsabläufe mein Volontariat überdauern. Um mich ständig selbst zu überprüfen ist die Teilnahme an Tagungen und der Austausch mit Kollegen ungemein wichtig. Zuletzt habe ich daher an der Fachtagung „Digitalisierung in Naturkundemuseen“ des Deutschen Museumsbunds teilgenommen. Zu einem späteren Zeitpunkt möchte ich mich intensiv der Provenienzforschung zu unserer Sammlung widmen – aber dafür will ich diese erst besser kennenlernen.

Unser Haus auf Museum-Digital!

Ein Volontariat kann also viel positives bringen, aber auch nichts, wenn ich an die Klagen einiger Kollegen_innen denke. Die Ursachen für negative wie positive Erfahrungen liegen dabei ebenso in den Häusern, ihren Strukturen und auch leitenden Personen begründet, wie auch im Charakter der Volontierenden. Letztlich ist ein Volontariat nämlich das: Arbeitserfahrung in der Museumslandschaft. Und wie bei jedem Beruf kann sich herausstellen, dass er sich in der praktischen Ausübung anders darstellt als die Vorstellung es erahnen mochte. Auch schlechte Erfahrung ist Erfahrung. Und Erfahrung haben ist niemals schlecht.

Zum Ende hin noch eine marginal frustrierende, da leider zu häufig vorkommende Episode: Vor kurzer Zeit hat mich eine Institution mit Volontariatsstelle kontaktiert, auf die ich mich Anfang des Jahres beworben hatte, und die noch vor meinem Arbeitsbeginn hier in Mönchengladbach starten sollte, und auf meine Bewerbung reagiert. Es war bereits ein halbes Jahr vergangen. Hier am Städtischen Museum Schloss Rheydt arbeite ich bereits zufrieden seit 3 Monaten. Eine Eingangsbestätigung meiner Bewerbung habe ich nie erhalten. Mein erster Gedanke: Danke, nein danke. Mein zweiter Gedanke: Wehe dem, der dort landet. Denn seien wir mal ehrlich: Respekt vor angehenden Nachwuchswissenschaftlern_innen sieht anders aus.

Zum Vergleich: Mein heutiger Arbeitgeber hielt mich auch in Corona-Zeiten ständig mit Updates zum Bewerbungsverfahren und Gespräch auf dem Laufenden. An einem Montag fand das Bewerbungsgespräch dann statt, und am nächsten Morgen, Dienstag früh um 9 Uhr, erhielt ich die Zusage. Das ist eine gradlinige und klare Kommunikation und zeugt von Verständnis für die unsichere und nervenaufreibende Lage, in der sich fast jeder Berufsanfänger auf Jobsuche befindet. Danke, liebe Stadt Mönchengladbach!

Sonnige Herbstgrüße von Schloss Rheydt!

Nils