19. Oktober 2017: LWL-Römermuseum Haltern am See

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Haltern am See, eine Stadt am Nordrand des Ruhrgebiets und am Südrand des Münsterlands: Hier befindet sich das Römermuseum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) und erzählt die Geschichte der fast 30-jährigen Präsenz römischer Legionäre an der Lippe.  An einem sonnigen Herbsttag empfingen dort Lisa Dziobaka und Lisa Stratmann, beide Volontärinnen am Römermuseum, eine Gruppe von NRW-VolontärInnen zu einer Exkursion durch das römische Leben östlich des Rheins.

Entgegen der weitverbreiteten Annahme, dieses sei mit der Varus-Schlacht endgültig beendet gewesen, geht die Sonderausstellung „Triumph ohne Sieg“ des Römermuseums (bis zum 5. November 2017) auf die Ereignisse nach der großen Schlacht ein: Noch jahrelang führt Feldherr Germanicus Krieg um die verlorene Provinz bevor die Unternehmungen abgebrochen werden und die Römer alle Stützpunkte östlich des Rheins aufgeben – auch den Wichtigsten, Aliso im heutigen Haltern am See.

Zunächst spazierte die Gruppe also zu der „Römerbaustelle Aliso“ direkt hinter dem Römermuseum. Dort können sich Besucher des Römermuseums seit Juni 2016 das Leben in einem solchen Stützpunkt an der „Römerbaustelle Aliso“ vor Augen führen: Auf einer Länge von 156 Metern wurde das Westtor des ehemaligen römischen Hauptlagers aufwändig und originalgetreu rekonstruiert. Auf der Anlage sind „Ferngläser“ angebracht – sie bieten einen Blick in die Römerzeit und zeigen die Gräberstraße des antiken Haltern.

Von den beiden Volontärinnen erfuhr die Gruppe über die Bedeutung der Bildungsarbeit im Römermuseum, etwa die enge Zusammenarbeit mit Schulen oder Führungen mit römischen Persönlichkeiten wie der „Sklavin Fortunata“. Nicht „nur“ die Rekonstruktion, sondern auch die Aktualisierung und Vermittlung 2000 Jahre alter Geschichte ist spannend und erfordert gleichzeitig hohen Aufwand.

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Auch die Sonderausstellung zum Feldherrn Germanicus hat ihre Besucher stets im Blick. Über die Gestaltung werden sie direkt in das zentrale Ereignis der Erzählung versetzt: Ein Triumphzug in Rom, Blütenblätter fliegen durch die Luft und Scharen sind gekommen, den aus Germanien zurückgekehrten Feldherrn zu feiern – ohne, dass er einen wirklichen Sieg zu feiern hätte. Ausgehend von dieser Erzählung wird die Ausstellung zu einem Lehrstück über die lange Tradition von politischen Inszenierungen.

Gemeinsam hat das Museumsteam die Wandtexte erstellt und dabei besonders auf ihre Verständlichkeit geachtet. Auf Tablets übertragen Bilder, die wir aus unserem Alltag kennen, Themen der Ausstellung in die heutige Zeit: Das Brandenburger Tor als Beispiel für Triumphbögen, die britische Königsfamilie als Sinnbild für die Familienbande zwischen Germanicus und dem römischen Kaiser Tiberius, der die Unternehmungen seines Adoptivsohnes abbricht.

Am Schluss der Ausstellung steht die Frage nach anderen Szenarien römisch-germanischer Geschichte an der Lippe: Was hätte aus Aliso werden können, wäre Germanicus erfolgreich gewesen? Leihgaben aus Partnermuseen zeigen, welch kultureller Reichtum sich an den Orten entwickelte, wo römische Lager nicht mehr durch aufwändige Rohstoff-Transporte am Leben gehalten wurden, sondern sich in befestigte Städe verwandelten. Ein Denkspiel, mit dem auch diese lehrreiche Volo-Exkursion einen schönen Ausklang fand.

Wer auch gerne eine Exkursion für andere NRW-Volontärinnen und Volontäre anbieten möchte, kann uns gerne kontaktieren! Wir kommunizieren die Termine dann auf Homepage und Facebook weiter.

Mehr über das LWL-Römermuseum Haltern am See und die Ausstellung „Triumph ohne Sieg: Roms Ende in Germanien erfahrt ihr hier: http://www.lwl.org/triumph-ausstellung