„Zur Freude!“ – Meine Feuertaufe als Kuratorin

Ein Beitrag von Isabel Brass, Museum für Angewandte Kunst Köln

„Zur Freude!“, antwortete gerne der Kunsthändler Dr. Bunke auf die Frage, zu welchem Zweck eine kostbare Dose verwendet wurde. Dieser Ausruf gilt ebenso für die Motivation der beiden Kölner Sammler Dr. Cläre Pelzer und Günter Becker. Ihrer Leidenschaft zur Kunst im kleinen Format spürt meine Ausstellung „Zur Freude! Kostbare Dosen und Miniaturen aus zwei Kölner Sammlungen“ nach. Gezeigt werden die Behältnisse der Sammlung Pelzer und die Bildnisminiaturen der Sammlung Becker, die alle einen ungeahnten Variations- und Detailreichtum offenbaren.

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Ein Teil der Objektauswahl © Foto: MAKK.

Das Zitat im Ausstellungstitel trifft außerdem auf mich und meine Feuertaufe als Kuratorin zu. Als wissenschaftliche Volontärin bin ich seit 2015 am Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) tätig. Gleich zu Beginn wurde mir die wissenschaftliche Bearbeitung und Inventarisierung der Sammlung Pelzer übertragen. Die Sammlerin hatte dem MAKK über 500 kostbare Behältnisse aus den letzten fünf Jahrhunderten gestiftet. Die systematische Inventarisierung war eine lehrreiche Aufgabe für mich, da die Sammlung hinsichtlich ihrer Materialien, Datierungen und Lokalisierungen sehr heterogen ist. Mit Hilfe unseres Metallrestaurators Jürgen Schablitzky, externer Experten und unserer gut sortierten Kunst- und Museumsbibliothek konnte ich mich in die spannende Welt der kostbaren Dosen einarbeiten.

Ich habe durch dieses Projekt viel über Materialien, Verarbeitungstechniken, Ornamentik und Edelmetallstempel gelernt. Die unmittelbare Arbeit mit dem Original hat sich für mich als sehr spannend und unabdingbar bei der wissenschaftlichen Bearbeitung erwiesen.

Von Seiten unserer Direktion ist mir schon früh in Aussicht gestellt worden, einen Teil der Dosensammlung in einer eigenen Ausstellung im MAKK präsentieren zu dürfen. Darüber hinaus bot sich die Gelegenheit diese mit einer Sammlung von über 300 Bildnisminiaturen zu kombinieren, die dem MAKK als Schenkung zugesagt sind. Beide Gattungen bilden auf Grund ihres kleinen Formats und ihrer pretiosen Anmutung eine kongeniale Verbindung, die ähnliche Anforderungen an die Präsentationsform stellen und dem Betrachter eine angenehme Abwechslung bieten.

Nachdem ich mich schon intensiv mit den Dosen auseinandergesetzt hatte, besuchte ich Günter Becker und studierte seine Sammlung. Ich erhielt Einblick in seine Unterlagen und Notizen, die er gewissenhaft für jedes Objekt angelegt hatte. Begeistert erzählte er mir Anekdoten seiner Ankäufe und seine Leidenschaft für die fein gemalten Miniaturporträts ging auf mich über.

Eine meiner zentralen Aufgaben war es, eine Objektauswahl zu treffen und ein inhaltliches Konzept für die Ausstellung zu erarbeiten. Aus den knapp 850 zur Verfügung stehenden Werken wählte ich 230 Exponate aus, die ich zu 17 Themenkomplexen gruppierte. Übergeordnet fallen diese Themen in die Bereiche Material, Technik und Funktion. So erzählt zum Beispiel das Thema „Eine kurze Geschichte des Lacks“ mit zehn Exponaten die Entwicklung der Lacktechnik von ihren vorchristlichen Anfängen in China bis ins späte 18. Jahrhundert in Europa.
Da es sich um viele kleine Exponate handelt, die auf engem Raum gezeigt werden, entschied ich mich gegen eine detaillierte Objektbeschilderung an den Vitrinen. Stattdessen stellte ich ein Begleitheft zusammen, das sowohl einführende Texte zu den einzelnen Themen enthält als auch die technischen Daten der Exponate (Künstler, Gegenstand, Material, Datierung, Lokalisierung, Inventarnummer). Damit griff ich auf ein Mittel zurück, dass sich im MAKK schon bei Schmuckausstellungen bewährt hatte.

Auf Grund der Zeitplanung ergab sich dadurch die Notwendigkeit bereits vor dem eigentlichen Aufbau die exakte Position jedes Objekts in der Ausstellung festzulegen. Zunächst wählte ich also aus einem unserer hausinternen Systeme die Vitrinen aus und entwickelte einen virtuellen Rundgang. Im nächsten Schritt stellte ich mit Jürgen Schablitzky alle Objekte in den Vitrinen probehalber auf und legte ihre Nummerierung innerhalb der Vitrinen fest. Bei dieser Gelegenheit besprachen wir zugleich unterschiedliche Aufstellungsmöglichkeiten. So ergab es sich, dass einige Dosen geöffnet oder auf speziellen Sockeln präsentiert und ausgewählte Miniaturen freihängend und mit Lupen oder Spiegeln ausgestattet werden sollten. Diese frühzeitige Planung und Festlegung erfordern zwar ein großes Maß an Vorstellungskraft, dafür haben sie meines Erachtens nach sehr dazu beigetragen, dass der Ausstellungsaufbau eine Woche vor der Eröffnung schnell und unproblematisch verlief.

Vernissage vom 16.9.2016  Foto: MAKK

Dank der Hilfe und Einführung unserer Kuratorin Dr. Romana Breuer konnte ich alle Druckerzeugnisse für die Ausstellung selbst in InDesign gestalten. Dazu gehören das Ausstellungsplakat, die Einladung zur Vernissage und das umfangreiche Begleitheft. Als grundlegendes Farbkonzept entschied ich mich für ein mittleres Blau, das in den Druckerzeugnissen, den online Medien und in der Wandfarbe der Ausstellungsarchitektur eingesetzt wird. Es bildet einen weichen Kontrast zu den Exponaten und hebt sie dadurch hervor.

Zur Vernissage hatten wir gezielt Gäste der beiden Sammler, die Presse und die Mitglieder unseres Fördervereins, der Overstolzengesellschaft, eingeladen. Da wir ansonsten keine weiteren Werbemaßnahmen ergriffen hatten, war ich sehr über die hohe Besucherzahl erfreut. Unser Festsaal war mit über 170 Besuchern gut gefüllt. Nach einer Begrüßung unserer Direktorin und einem Cembalostück unserer musikalischen Begleitung gab ich eine kurze Einführungs- und Dankesrede – ein sehr aufregender Moment für mich. Im Anschluss besuchten wir gemeinsam die Ausstellung. Bei dieser Gelegenheit erhielt ich bereits viele positive Rückmeldungen. Insbesondere die große Zufriedenheit des Sammlers Günter Becker bedeutet mir sehr viel.

Isabel Brass, Einführungsrede zur Vernissage © Foto: MAKK.

Die Ausstellung ist für mich der krönende Abschluss meines abwechslungsreichen und herausfordernden Volontariats im MAKK. Die intensive und lehrreiche Zusammenarbeit mit meinen Kollegen und die frühe Übertragung eigenverantwortlicher Projekte macht das wissenschaftliche Volontariat im MAKK zu einem Vertreter im Sinne des „Best Practice“.

Isabel Brass

Seit 2015 Wissenschaftliche Volontärin am Museum für Angewandte Kunst Köln.

2012-2014 Assistentin der Abteilungsleitung Schmuck und Uhren, Van Ham Kunstauktionen Köln.

2011 Tutorin des Vermittlungsprojekts kunst:dialoge am Museum Ludwig, Köln.

2006-2012 Studium der Kunstgeschichte, Iberische- und Lateinamerikanische Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität zu Köln. Abschluss Magistra Artium.