Praxisforschung mit Scouts: Was uns unsere Aufsichten über das Verhalten der Besucher erzählen können.

Ein Beitrag von Magdalena Roß,
DASA Arbeitswelt Ausstellung, Dortmund

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„Die Roboter – Eine Ausstellung zum Verhältnis von Mensch und Maschine“ Foto: DASA

Bevor ich mein Volontariat in der DASA Arbeitswelt Ausstellung begonnen habe, arbeitete ich als Mitarbeiterin im Besucherservice eines kulturhistorischen Museums in Österreich. Durch meine Arbeit in der Vermittlung und bei der Betreuung von Ausstellungen sowie der Besucherinformation stand ich permanent im direkten Kontakt zu den Besucher/innen. So habe ich in zahlreichen Gesprächen sehr viel über die Erwartungen, Bedürfnisse und Wünsche von Museumsbesucher/innen erfahren. Damit entwickelte ich eine gewisse Expertise für unsere Besucher/innen. Wie in den meisten Museen und Ausstellungshäusern stieß dieses Wissen jedoch nur auf wenig Interesse bei den Museumsverantwortlichen, sodass diese Informationen beispielsweise bei der Neukonzeption von Ausstellung unbeachtet blieben.

In der DASA entwickelte ich in den ersten Monaten meines Volontariats ein Konzept für ein partizipatives Forschungsprojekt, in dem ich gemeinsam mit den Scouts, die die Ausstellung beaufsichtigen und als Ansprechpartner/innen für die Besucher/innen in der Ausstellung fungieren, das Besucherverhalten erforschen wollte. Untersuchungsgegenstand des Projektes sollte die aktuelle Wechselausstellung „Die Roboter. Eine Ausstellung zum Verhältnis Mensch und Maschine“ (Laufzeit: 21.11.2015 – 25.09.2016) sein. Mein Vorhaben kam gerade zur rechten Zeit, da die DASA ihre Besucherforschung zukünftig stärken will und im Zuge dessen gegenwärtig verschiedene Methoden aus diesem Bereich erprobt.

Dieses Forschungsprojekt gibt mir die Möglichkeit einerseits meine eigenen Ideen in die Praxis umzusetzen, andererseits einen Beitrag zur Erforschung der Besucher/innen der DASA zu leisten. Besonders spannend ist es jedoch für mich, dass ich diese neu gewonnenen Erkenntnisse nun direkt bei der Konzeption unserer neuen Wechselausstellung berücksichtigen kann.

So erforsche ich nun seit März 2016 gemeinsam mit einer Kollegin und bis zu 4 Scouts das Besucherverhalten in der Wechselausstellung. Dabei interessieren uns Fragen wie: Welche Exponate sind die Lieblingsobjekte der Besucher/innen? In welchen Bereichen der Ausstellung halten sie sich eher weniger auf? Welche Fragen stellen die Besucher/innen an die Scouts? Welche Erwartungen bringen sie mit?

In sechs jeweils 4-wöchigen Datensammlungsphasen beobachten die Scouts die Besucher/innen in der Ausstellung und halten ihre Beobachtungen in Forschungstagebüchern fest. Nach jeder Datensammlungsphase führen wir ein 60-minütiges Interview mit den Scouts und protokollieren ihre individuellen Eindrücke. Die so gesammelten Daten zum Besucherverhalten werden ausgewertet, interpretiert und in Datenresümees festgehalten.

Mit der Finissage der Ausstellung am 25. September 2016 endet auch die Datenerhebungsphase des Projekts. Dann gilt es gemeinsam in der Forschergruppe die verschiedenen Beobachtungen zusammenzuführen, zu diskutieren, zu interpretieren, Handlungsempfehlungen für zukünftige Ausstellungen zu entwickeln und auch den Forschungsprozess kritisch zu reflektieren.

Bisher haben sich einige Vorannahmen bezüglich des Rezeptionsverhaltens bestätigt, andererseits gibt es Überraschungen. So lässt sich beispielsweise schon sagen: je höher der Interaktionsgrad eines Objektes, desto größer das Interesse der Besucher/innen an diesem Exponat. Der Metra, ein Roboter, der selbstständig durch die Ausstellung führt, entpuppt sich als einer der Publikumslieblinge und fördert die Kommunikation zwischen den Einzelbesucher/innen. Auch zeichnen sich bereits neue Erkenntnisse zur Ausdifferenzierung unserer Besucher/innenstruktur ab: so nutzen die Schulklassen, die ohne Führung die DASA besuchen, die Ausstellung eher als Durchgangsraum. Familien, die an einem Werktag nachmittags die Ausstellung besuchen, gehen mit großem Interesse an dem Thema und den Objekten durch die Ausstellung. Das Wochenendpublikum erwartet hingegen vor allem Unterhaltung und Action. Und es zeigt sich, dass die Verweildauer des älteren Publikums bei den einzelnen Exponaten wesentlich höher liegt als bei jüngeren Besucher/innen.

Neben diesen Erkenntnissen wurden aber auch konkrete Verbesserungsvorschläge für die Ausstellung herausgearbeitet und an das Projektteam der Roboter-Ausstellung weitergeleitet. Daraus haben sich im laufenden Betrieb kleinere bauliche Änderungen und Verbesserungen ergeben. Die Ausstellung wird dadurch für ihre nächste Station optimiert, wenn sie bei unserem Kooperationspartner, dem Parque de las Ciencias in Granada (Spanien), gezeigt wird.

Zwar liefert diese partizipative Methode keine repräsentativen Forschungsergebnisse, doch können durch die Zusammenarbeit mit Scouts Tendenzen sichtbar gemacht und Empfehlungen für die zukünftige Museumsarbeit erarbeitet werden – und dies ohne großen zusätzlichen Ressourcenaufwendung. Damit könnte sich die Herangehensweise nicht nur für die großen Häuser, sondern auch für kleinere Museen, die über wenige finanzielle und personelle Ressourcen verfügen, eignen.

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Magdalena Roß und Metra, ein Roboter, der die Besucher durch die Ausstellung führt. Foto: DASA

 

Magdalena Roß

Seit Oktober 2015 wissenschaftliche Volontärin bei der DASA Arbeitswelt Ausstellung, Dortmund

2013 – 2015 Kulturvermittlerin und Mitarbeiterin im Besucherservice in der Schweiz und Österreich.

2006 – 2013 Studium der Pädagogik, Materiellen Kultur: Textil sowie Art Education in Oldenburg und Zürich.