Inklusion im Museum: mit kleinen Schritten viel bewegen

Ein Beitrag von Anne Segbers, LVR-LandesMuseum, Bonn

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Tastführung „Der Neandertaler und die Evolution“, Foto: LVR

Vor meinem Volontariat hatte ich wenig mit Inklusion zu tun, zumindest im Kulturbereich. Ich kannte den Begriff vor allem aus der ehrenamtlichen Jugendarbeit, wo Inklusion ganz selbstverständlich gelebt wird.

Am Beginn meines Volontariats konnte ich dann eine Fortbildung zu Inklusion im Museum besuchen, die mein Interesse an dem Thema geweckt hat. Es erschien und erscheint mir heute noch ein Unding, dass nicht alles dafür getan wird, dass Menschen mit einer Behinderung die gleichen Kulturerlebnisse genießen können wie Menschen ohne Behinderung. Also habe ich mich tiefer in das Thema eingearbeitet, Tagungen und Fortbildungen besucht und Kontakte geknüpft.

Als Volontärin in der Museumspädagogik konnte ich schnell viele Kleinigkeiten umsetzen: zum Beispiel regelmäßige Führungen für blinde Besucherinnen und Besucher sowie Führungen mit Gebärdensprachdolmetscherin. Die Informationen zur Barrierefreiheit auf der Homepage wurden verbessert und auch in Leichter Sprache zur Verfügung gestellt. Bei unseren Angeboten für Kinder steht nun dabei, ob sie auch für Kinder mit einer Behinderung geeignet sind. Außerdem bieten wir nun auch Führungen für Menschen mit Lernschwierigkeiten an, eine entsprechende Schulung für unsere Vermittlerinnen und Vermittler habe ich organisiert. Als „Expertin“ für Inklusion werde ich in unserem Museum nun oft von Kolleginnen und Kollegen zu dem Thema befragt und einbezogen.

Man darf sich nicht dadurch entmutigen lassen, dass oft nur wenige Besucherinnen und Besucher mit Behinderung an den Angeboten teilnehmen. Schließlich interessieren sich nur etwa 10 Prozent der Menschen überhaupt für Kultur, und damit auch der Menschen mit Behinderung. Diese kleine Gruppe muss dann auch noch die Informationen erhalten und entscheiden, sich auf den Weg zu machen. Der Weg ist oft beschwerlicher als für uns. Diejenigen, die kommen, freuen sich umso mehr, dass sie das Museum besuchen können.

Inklusion im Museum kann schon mit einfachen Maßnahmen gelingen. Vor allem bessere Vorabinformationen zum Museumsbesuch im Internet helfen Menschen mit einer Behinderung, sich für einen Museumsbesuch zu entscheiden und sich vorzubereiten.

Volontärinnen und Volontäre können in den Museen Inklusion anstoßen und vorantreiben. Durch kleine Veränderungen können sie viel bewirken und bei ihren Kollegen Interesse an Inklusion wecken. Vielleicht geben sie damit den Anstoß für ein inklusiveres Museum.

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Informationen zum Museum in Leichter Sprache, Foto: LVR

 

Anne Segbers

2005-2011 Studium der Klassischen Archäologie, Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie und Alten Geschichte in Bonn und Rom, Abschluss Magistra Artium
2011-2016 Promotionsstudentin in Bonn, Abschluss Dr. phil.
Seit November 2015 Volontärin in der Abteilung Bildung und Vermittlung des LVR-LandesMuseums Bonn